Instinkt

 

 

Es wird viel darüber gesprochen wie scheu Karpfen sind, was sie an unseren Montagen bemerken und was sie dadurch abschreckt. Besonders natürlich wenn ein Karpfen schon mal gefangen wurde. Sie lernen dazu, merken sich den Köder auf den sie gefangen wurden und verbinden ihn mit dem Fang. (also was schlechtem) Ich sehe das aber nicht ganz so, da ich schon an einem Hausgewässer eine andere Erfahrung machen konnte. Es war im Mai und ich hatte meinen „Spot" (Seerosenfeld) schon einige Tage angefüttert . Da ich leider nicht über Nacht bleiben konnte, hatte ich mir vorgenommen von den frühen Morgenstunden bis zum Sonnenuntergang zu fischen. Da man an dem Gewässer auch durchaus tagsüber fangen kann. An dem See angekommen baute ich mein Tackle auf, beköderte die Ruten und legte sie auf den vorgefütterten Plätzen ab. Nach ca. 1 Stunde meldete sich mein Bissanzeiger! „Das fängt ja gut an", dachte ich und setzte den Anhieb. Yessss!! Nach kurzem Drill hatte ich den Spiegler von geschätzten 10 Pfund im Uferbereich. Erst da fiel mir auf, das ich vergessen hatte den Kescher aufzubauen. „So eine Sch…, wie kann man das vergessen" dachte ich. Was jetzt? Ich kniete mich hin und setzte zum Kiemengriff an um den Fisch an Land zu hieven. Doch daraus wurde nichts. Gerade als ich ihn hochziehen wollte, wehrte er sich mit ein paar kräftigen Schwanzschlägen und weg war er! Mit lehren Händen kniete ich am Ufer. „Das gibt’s doch nicht". Als ich mir die Montage anguckte, fiel mir auf das der Knoten am Haken sich gelöst hatte! (muss dazu sagen, das mir die Geschichte in meinen ersten Jahren als Karpfenangler passiert ist und meine Montagen und Knoten noch nicht ganz ausgereift waren!) Also wieder zu meinem „Tackle" und die Rute neu beködern. Halt! „Erstmal bau ich den Kescher auf" dachte ich, bevor ich das noch mal vergesse. Kescher aufgebaut, Ruten neu beködert und wieder rein damit. Nach ca. 15 Minuten meldete sich der selbe Bissanzeiger erneut! Ich nahm die Rute auf und merkte den Widerstand an dem anderen Ende der Schnur. Nach einigen Minuten konnte ich den 12 Pfund Spiegler keschern und legte ihn auf die Abhakmatte. Als ich den Haken mit einer Zange entfernen wollte, sah ich das direkt daneben ein zweiter saß. Auch diesen entfernte ich und guckte mir den Haken genauer an. Die Sensation war perfekt! Es war mein Haken und somit der selbe Fisch den ich 15 Minuten zuvor verloren hatte! Das war für mich der beste Beweis, das nicht wie vermutet sich die Karpfen nach einem Fang zurück ziehen und tagelang nichts fressen sondern gleich wieder ihre Runden drehen. Das heißt somit auch, dass das umstrittene „Catch and Release" doch nicht so schädlich für den Fisch sein kann, wenn er schon nach ein paar Minuten die Nahrungssuche wieder aufnimmt. Natürlich kann es sein das, wenn ein Karpfen mehrmals in der Woche auf Boilies gefangen wird, diese nach einiger Zeit meidet aber das kommt doch nun wirklich selten vor! Und das sich ein Karpfen über mehrere Wochen noch an den Boilie und an den Drill erinnern kann, das kann ich mir nicht vorstellen! Es sind auch nur Tiere die nach Instinkt handeln.

tight Lines

Christian

Ps.: Aus Fehlern lernt man. Seit dem bau ich als erstes meinen Kescher auf!